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Adventskonzert in Holtorf

Für Sonntag, 10. Dezember 2017, 19.00 Uhr, lädt die Kirchengemeinde St. Martin Holtorf/Nienburg zu einem Chorkonzert im Advent in ihre Kirche ein.
Unter dem Motto „Ein Kind geborn zu Bethlehem“ möchte der Konzertchor Schaumburger Märchensänger die Zuhörer am 2. Advent feierlich auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmen.

PlakatHoltorf aktuell550Der traditionsreiche Kinder- und Jugendchor wurde 1948 von Edith Möller und Erna Pielsticker in Obernkirchen gegründet. Aus kleinsten musikalischen Anfängen heraus führten sie den Chor mit großem Idealismus und Engagement zu hohem musikalischem Niveau.
1953 folgte er einer Einladung zur Teilnahme am "International Eisteddfod", einem Chorwettbewerb in Llangollen/Wales, und erhielt einen 1. Preis. Das zufällig von der BBC mitgeschnittene Lied "Mein Vater war ein Wandersmann" wurde zum Welthit. Durch diesen Erfolg ermutigt, tat die Chorleitung den Schritt in die chorische Professionalität, die zu zahllosen Konzerten führte, durch Deutschland, ganz Europa, Lateinamerika, Afrika, in den nahen und fernen Osten und in die USA.

Dem Konzertchor Schaumburger Märchensänger aus Bückeburg gehören heute Jugendliche im Alter von 14 bis 24 Jahren an. Der Chor zeichnet sich nach wie vor durch sein hohes musikalisches Niveau und ein breit gefächertes Repertoire von der Renaissance bis zu zeitgenössischer Musik aus. Auch das Volkslied sowie Jazz- und Popsongs haben ihren Platz in den Konzerten.
Chorleiter ist seit 2009 Sascha Davidovic.

Im Konzert in Holtorf wird adventliche Chorliteratur erklingen, neben bekannten Liedern wie „Macht hoch die Tür“, „Was soll das bedeuten?“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“.




Edith Möller wurde vor 101 Jahren geboren

Am 7. Oktober 2016 jährte sich Edith Möllers Geburtstag. Wer war Edith Möller? Was hat sie geleistet, dass wir an sie erinnern sollten?

EM von vornEdith Möller, ihr Leben und Werk, sind faszinierend und einmalig, geprägt von einer hervorragenden Lebensleistung und einem märchenhaften Erfolg, der weltweit seinesgleichen sucht. Als Gründerin und Leiterin des Chores Schaumburger  Märchensänger gelang es ihr, sich mit ihrem Chor an die musikalische Weltspitze heranzuarbeiten und 20 Jahre lang zu behaupten. Und das ohne „Tradition“, aus eigener Kraft und Genialität, durch ihre Natürlichkeit und Fröhlichkeit, ihr soziales Engagement und ihre musikalische Begabung.

Am 7. Oktober 1916 wurde Edith Möller als zweites Kind in Gelsenkirchen geboren. Die Mutter Anna, geb. Wehling, stammte aus Minden/Westfalen, der Vater Wilhelm Möller aus dem Schaumburgischen. Schnell war klar, dass der Bruder Friedrich-Wilhelm und sie selbst musikalisch hoch begabt waren. Doch aus finanziellen Gründen durfte nur der fünf Jahre ältere Friedrich-Wilhelm Musik studieren. Ediths Weg entsprach ihrem zweitem sehr ausgeprägtem Wesen: Sie erlernte den Beruf der Fürsorgerin mit dem Ziel, für Kinder und Jugendliche sorgen zu wollen. Nach mehreren Stationen und Aufgaben in verschiedenen Kinderheimen übernahm sie 1943, gerade einmal 26 Jahre alt, ein Heim für Binnenschifffahrtskinder in Bad Nenndorf.

Dort lernte Edith Möller auch ihre künftige Partnerin Erna Pielsticker kennen, die als Praktikantin dem Nenndorfer Kinderheim zugewiesen worden war. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchs im Nu eine lebenslange Freundschaft und eine kongeniale Partnerschaft, die die Arbeit nachhaltig beeinflussen sollte.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs musste Edith Möller mit Ihrem Nenndorfer Heim mehrmals umziehen; erst 1947 konnten alle Kinder in anderen Heimen unterkommen. Nun musste eine neue Tätigkeit gefunden werden, und Edith betreute fortan die vielen Flüchtlingskinder in Obernkirchen, ähnlich wie Erna Pielsticker. Beide suchten sich in Liekwegen, später in Obernkirchen, eine Bleibe. Sehr schnell wurde Ediths Arbeit immer „musikalischer“, angefeuert durch ihren Bruder Friedrich-Wilhelm, der als Musiker des Marine-Korps schnell aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden und ebenfalls nach Obernkirchen gezogen war. Es wurde gesungen, musiziert und komponiert. Die meisten deutschen Lieder waren damals noch verboten. Der Bruder spielte sehr viel in verschiedenen Orchestern in ganz Norddeutschland und auch Edith selbst wirkte dabei immer wieder singend mit!

Im Herbst 1948 wurde der Chor „Obernkirchener Stadtmusikanten“ gegründet, im Februar gab es das erste öffentliche Konzert im „Deutschen Haus“ in Obernkirchen. Daneben wurden immer wieder mehrtägige Fahrten durchgeführt, was zu damaliger Zeit ein absolutes Novum war. 1950 kam das Fernsehen des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) nach Obernkirchen, um diesen aus dem Nichts heraus fröhlich auftretenden Chor für das Deutsche Fernsehen aufzuzeichnen. Das „Wunder von Obernkirchen“, wie Wolfgang Wicklein es bezeichnet hatte, folgte: eine Einladung nach England. Es ist nicht ganz sicher, ob die Schaumburger Märchensänger (inzwischen umbenannt) tatsächlich die erste deutsche Jugendgruppe in England nach dem Kriege war - jedenfalls wurde es ein fantastischer Erfolg mit Konzerten in Ipswich, Felixstowe, Cambridge und London. Der Erfolg war so riesig, dass die englische Presse und das Radio sich förmlich überschlugen. Vor allem Edith Möllers Leistungen und ihr lauterer Charakter wurden über alles gelobt.

Anfang 1953 war Edith Möller klar, dass die Chorarbeit finanziell nicht mehr tragbar war EM Portrait imKonzertund die hehren Möglichkeiten drastisch reduziert werden mussten. Und so sollte der Chor nach der letzten geplanten Fahrt zu den Freunden im Sommer aufgelöst werden. Es kam anders. Der Erfolg der ersten Englandfahrt wiederholte sich in vielen Konzerten, zum Höhepunkt geriet schließlich der Chorwettbewerb International Musical Eisteddfod in Llangollen. Edith, exzellent vorbereitet, gewann! Die Kinder und Jugendlichen der Schaumburger Märchensänger ersangen nicht nur einen 1. Preis, sondern vor allem auch die Herzen aller Teilnehmer und Besucher - was dort heute immer noch spürbar ist. Der berühmte Dichter Dylan Thomas, der damals die Wettbewerbe moderierte, bezeichnete die Chormädchen als „Engel in Zöpfen“. Der Erfolg und die Begeisterung waren riesig, die Reise musste verlängert werden, denn eine Anzahl von Konzerten u.a in Rugby, Birmingham und Coventry waren die Folge.

Allgemein wird dieser Wettbewerb als Wendepunkt für die Schaumburger Märchensänger bezeichnet, zumal ein zufällig auf einer Festivalwiese angestimmtes Lied zum Welthit avancierte: Der fröhliche Wanderer. Die BBC zeichnete Friedrich-Wilhelm Möllers Lied auf, sendete es, und binnen drei Tagen kannte und liebte die ganze englischsprachige Welt den auf Deutsch gesungenen „Fröhlichen Wanderer“! Doch klarzustellen ist, Llangollen war nicht der Wendepunkt, erst das Jahr 1954.

Von der Auflösung des Chores war keine Rede mehr, im Gegenteil. Entschlossen, auf Edith Möllers musikalische und pädagogische Genialität vertrauend, fuhr Erna Pielsticker im Herbst 1953 nach London und machte der damals wohl bedeutendsten englischen Konzertagentur ihre Aufwartung. Sie bot den Chor Schaumburger Märchensänger an. Und es klappte, eine erste zweiwöchige Konzerttour durch Südengland kam zustande.
Aber was für eine, gespickt voll mit Konzerten, jeden Abend, einschließlich Royal Festival Hall in London (Ausverkauft! Wie alle Konzerthallen!), vormittäglichen Studio-, Schallplatten-, Radio- und Fernsehaufnahmen - eine Prüfung auf Herz und Nieren. Der junge, eigentlich immer noch völlig unbekannte Chor, eroberte England im Sturm. Die Chorkinder schafften diese Leistung dank ihrer begeisternden Leitung mit Leichtigkeit und wären am liebsten immer weiter gereist. Ihr Enthusiasmus und vor allem ihre Natürlichkeit war ihr Anker - und Singen, das konnte eh nie genug sein. Schon für den Herbst des gleichen Jahres ging es mit der größten Künstleragentur, Columbia Artist Management für sechs Wochen nach Amerika!

EM dirigierendDer Erfolg war phänomenal! Mit einem Charterflugzeug ging es via Hannover, mit einer geflogenen Niedrigschleife über Obernkirchen, nach New York, in eine völlig fremde Welt. Soweit bekannt, war nur ein wagemutiges Konzert in der damals wichtigsten Konzerthalle, der Town Hall in New York, geplant, doch mindestens fünf weitere wurden angesetzt. Die wichtigsten Fernsehshows rissen sich um den Chor, Paparazzi standen den Kindern ständig auf den Hacken und Columbia war hingerissen. 13 weitere, jeweils drei- bis viermonatige Tourneen sollten bis 1976 folgen, sowie weitere Reisen innerhalb Europas, nach Nah- und Fernost, Südafrika und Südamerika. Edith Möller hatte es geschafft - der Wendepunkt wurde 1954 erreicht. Was weltweit einmalig war - und was laut des Präsidenten von Columbia wohl auch nie wieder geschehen wird: die Schaumburger Märchensänger eroberten die professionelle, chorische Weltbühne und verteidigten diese Stellung bis zu Edith Möllers Tod am 10. Juli 1975.

Hier bricht die beeindruckende Lebensgeschichte Edith Möllers ab. Weitere Details über ihr soziales Engagement und ihr einzigartiges, sehr intensives Leben werden in einem öffentlichen Vortrag am Freitag, dem 3. November 2017, 19.30 Uhr, im Staatsarchiv, Schloß Bückeburg, berichtet, begleitet durch einige Bilder, Aufnahmen und Livemusik.